Fundamental Review of the Trading Book (FRTB)

Die angespannte Marktsituation während der Finanzkrise hat signifikante Schwachstellen an der allgemeinen Ausrichtung der Eigenkapitalunterlegung für Marktpreisrisiken offengelegt. Als Reaktion hierauf hat der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (kurz BCBS) seit dem Jahr 2009 die lückenhaften Basel 2-Vorschriften für Marktpreisrisiken überarbeitet. Seit dem 14. Januar 2016 liegt der finale Standard zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen für das Marktpreisrisiko (BCBS 352: „Minimum capital requirements for market risk“) vor. Der Standard sieht tiefgreifende Änderungen in den folgenden Themenbereichen vor:

  • Überarbeitung der Handelsbuchabgrenzung: Das bislang verwendete weiche Kriterium der „Handelsabsicht“ zur Kategorisierung von Bank- und Handelsbuchgeschäften wird im finalen Standard objektiviert. Zukünftig bestehen explizite Vorgaben für eine zwingende Zuordnung von bestimmten Geschäften zum Handels-/Bankbuch sowie eine Begrenzung der Umwidmungsmöglichkeiten von Positionen, um Arbitrage zwischen den Büchern zu vermeiden. Abweichungen sind nur nach expliziter Genehmigung durch die Aufsicht zulässig.
  • Überarbeitung des Internen Modell Ansatzes (IMA): Der finale Standard sieht ein strengeres Genehmigungsverfahren für interne Modelle auf Ebene einzelner Trading Desks vor. Die statistische Prognosegüte der internen Modelle ist ebenfalls auf Desk-Ebene zu verifizieren und dokumentieren. Des Weiteren besteht die Anforderung, zukünftig parallel eine Rechnung des Standardansatzes vorzunehmen, der als Rückfall-, Benchmark- und Kalibrierungsgröße dient.
  • Überarbeitung des Standardansatzes (SA): Das finale Papier sieht einen sensitivitätsbasierten Standardansatz vor. Die Gesamtkapitalanforderung ergibt sich aus der Summe des Delta-, Vega-, Gamma- und Default-Risikos sowie eines pauschalen Add-ons für Risiken, die nicht über Sensitivitäten modellierbar sind.
  • Überarbeitung der Risikomethodik: Die Value-at-Risk basierte Berechnungsmethodik wird zukünftig durch den Expected Shortfall (97,5 %) ersetzt, der auf einen Zeitraum signifikanten Marktstresses zu kalibrieren ist. Aus Sicht des BCBS deckt der Expected Shortfall als Risikomaß extreme Verluste (sog. Tail-Risks) adäquater ab und erfüllt die Eigenschaft der Subadditivität.
  • Berücksichtigung des Marktilliquiditätsrisikos: Im IMA werden produktspezifische Liquiditätshorizonte (10 bis 250 Tage) bei der Eigenkapitalunterlegung berücksichtigt, um das Risiko einer plötzlichen und schwerwiegenden Reduzierung der Marktliquidität verschiedener Produkte abzudecken. Die Liquiditätshorizonte ersetzen die bisher pauschal anzuwendende 10-Tagesskalierung des Value-at-Risk.

Auf Basis der regulatorischen Anforderungen ergeben sich die folgenden Handlungsfelder für Institute:

  • Überarbeitung des Prozesses für die Zuordnung von Risikopositionen zum Handels- und Bankbuch sowie des Umwidmungsprozesses,
  • Einführung des neuen Standardansatzes. Insbesondere besteht Handlungsbedarf für Institute, die gegenwärtig ausschließlich ein internes Modell für Marktpreisrisiken verwenden,
  • Erweiterung der internen Modelle von einer VaR-basierten Berechnung zum Expected Shortfall sowie Einführung neuer statistischer Methoden und Prozesse für das Backtesting,
  • Analyse der Auswirkungen auf die Eigenkapitalunterlegung von verschiedenen Produkten, Portfolien, Handelsstrategien und Geschäftsmodellen,
  • Neuausrichtung des Risikomanagements und -controllings an den neuen regulatorischen Vorgaben,
  • Umsetzung von neuen Anforderungen an das aufsichtsrechtliche Meldewesen sowie der Risikoberichterstattung der Institute,
  • Implementierung/Weiterentwicklung von Marktrisikosystemen sowie deren Integration in die bestehende Front-Office-Architektur,

Die Umsetzung der Anforderung hat auf nationaler Ebene bis Januar 2019 zu erfolgen. Die Überführung in Europäisches Recht sowie die Anpassung der entsprechenden Gesetzestexte (CRR/CRD IV) ist noch ausstehend. Aufgrund der tiefgreifenden Auswirkungen auf die Prozesse, Systeme und Strategie empfiehlt es sich jedoch, frühzeitig hierfür Vorstudien und Projekte zu initiieren.

Unsere Leistungsangebote im Bereich „Fundamental Review of the Trading Book (FRTB)“:

  • Durchführung von Vorstudien zur Analyse der Auswirkungen auf die Organisationsstruktur, Prozesse, Datenversorgung und Systemlandschaft des Institutes
  • Analyse der regulatorischen Standards/Gesetzestexte, Spezifikation von Fachanforderungen und Entwicklung von Ziellösungen zur Kalkulation, Steuerung und Optimierung des Marktpreisrisikos gemäß des neuen Standards
  • Systemnahe Fachkonzeption, DV-Konzeption und Testbegleitung bei der Implementierung bzw. Erweiterung von Marktrisikosystemen
  • Management von Umsetzungsprojekten