Besicherung OTC-Derivate

Die Besicherung ist die letzte verbliebene, nicht regulierte Risikominderungstechnik für ungeclearte OTC-Derivate. Diese wird nun durch die Aufsicht angegangen und ist voraussichtlich zum 01.09.2016 durch die Institute umzusetzen. Der aktuelle Besicherungsprozess ist durch freiwillige Marktstandards geprägt, zukünftig muss der Besicherungsprozess den neuen gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Eckpunkte der Besicherungspflicht:

  •  Einforderung von Sicherheiten für ungeclearte OTC-Derivate wird ab September 2016 Pflicht für Finanzielle Gegenparteien und wenige Nichtfinanzielle Gegenparteien
  • Die Besicherungspflicht umfasst das Ausfallrisiko aus offenen Marktwerten (Variation Margin) und einen Puffer für Wertschwankungen (Initial Margin)
  • Der Regulator trifft auch Vorgaben für die Zulässigkeit von Sicherheiten (incl. Konzentrationslimite) und deren Anrechnungsfaktor und formuliert qualitative Vorgaben an den Besicherungsprozess
  • Ausnahmen bestehen für Geschäfte innerhalb von Unternehmensgruppen; weitere Ausnahmen für bestimmte Geschäftstypen und Verwendungszwecke sind möglich
  • Die Besicherungsprozesse sind als „Risk Management Procedure” zu dokumentieren

Die Umsetzung ist eine erhebliche Herausforderung für Marktteilnehmer, die noch nicht besichern. Auch für erfahrene Marktteilnehmer entstehen umfangreiche Änderungen.

Große Institute müssen für Neugeschäft ab 1. September 2016 grundsätzlich Variation Margin von der Gegenpartei einfordern und dabei neue Prozessvorgaben einhalten. Variation Margin deckt das aktuelle Wiedereindeckungsrisiko ab, d.h. den Unterschiedsbetrag von Marktwert des Derivats und der bereits erhaltenen Sicherheit. Die Höhe der Variation Margin beruht auf dem nach EMIR-Vorgaben ermittelten Markt- bzw. Modellwert.

Große Institute müssen weiterhin für Neugeschäft ab 1. September 2016 Initial Margin von der Gegenpartei einfordern. Abgestufte Erleichterungen bestehen bis ins Jahr 2020 bzw. sogar dauerhaft für Kontrahenten mit kleinem Derivatebuch. Sofern auch die Gegenpartei zur Einforderung verpflichtet ist, stellen beide Seiten Initial Margin. Initial Margin deckt das potentielle Wiedereindeckungsrisiko ab, welches durch Bewertungsänderungen seit der letzten Marginanforderung entstehen kann.

Die Dokumentation von Risk Management Procedures ist eine weitere erhebliche prozessuale Vorgabe. Sie umfasst

  • Prozesse für Variation-Margin-Besicherung und Initial-Margin-Besicherung sind erforderlich
  • Verfahren zur Bestimmung der Zulässigkeit und Anrechnung von Sicherheiten
  • Dokumentation der Inanspruchnahme der regulatorisch erlaubten Erleichterungen:

    • Verzicht auf Sicherheitenanforderung von nichtfinanziellen Gegenparteien
    • Inanspruchnahme des Initial-Margin-Thresholds von 50 Mio. EUR
    • Verzicht auf Sicherheitenanforderung für physisch gesettelte FX Forward, Swaps und Cross-Currency-Swaps

  • Umsetzung weiterer operationaler Vorgaben, z.B.

    • Dokumentierter, konsistenter und robuster Eskalationsprozess, der bei Abweichungen von den dokumentierten Verfahren angewendet wird
    • Meldung von materiellen Abweichungen an eine höhere Berichtsebene
    • Verfahren zur Überprüfung der Liquidität der Sicherheiten
    • Sicherstellung, dass bei einem Austausch von Sicherheiten die neuen Sicherheiten den Zulässigkeitskriterien entsprechen
    • Verfahren für eine zeitnahe Wiederaneignung gestellter Sicherheiten bei Insolvenz des Sicherheitennehmers
    • Segregation von Barsicherheiten (Initial Margin)

Unsere Leistungsangebote für das Thema Besicherung OTC-Derivate:

  • Analyse der gesetzlichen Anforderungen aus europäischer Gesetzgebung (EMIR, RTSI/ITS)
  • Aufnahme der Fachanforderungen, Erarbeitung der Relevanz der gesetzl. Anforderungen für die Geschäftstätigkeiten
  • Entwicklung der Ziellösung für die Besicherungsprozesse, insbesondere wegen Einführung von Initial Margin, Segregation, und Risk Management Procedures
  • Systemnahe Fachkonzeption, Testbegleitung und Umsetzung in der IT-Architektur
  • Steuerung und Begleitung des Upgrade-/Migrationsprojekts für das Collateral Management System bzw. für Anbindung Drittanbieter und Prozess-Outsourcing
  • Management des Gesamtprojekts